Erklärung zu den Verhandlunstagen 8. und 9. April 2026
Wir spiegeln die Erklärung zu den Verhandlunstagen am 8. und 9. April 2026 der Soligruppe Nanuk: https://freenanuk.noblogs.org/post/2026/04/02/erklaerung-zu-den-verhandlunstagen-8-und-9-april-2026/
Der 8. und 9. April werden die ersten Hauptverhandlungstage sein, an denen der Verräter und Vergewaltiger Johannes Domhöver beim sog. Antifa-Ost-Prozess in Dresden aussagen wird.
Wir als Soligruppe Nanuk werden an diesen Tagen dem Gerichtssaal fernbleiben. Wir möchten kurz erklären warum.Zunächst ist uns wichtig zu betonen, dass dies keine Distanzierung von der gemeinsam organisierten Soliarbeit in diesem Prozess ist, und dass wir dankbar sind für die Arbeit welche andere an den genannten Tagen machen werden. Vielmehr ist es uns ein Anliegen, mit dieser Erklärung eine Diskussion zum Umgang mit vermeintlichen Kronzeugen wie Domhöver bei Prozessauftritten zu eröffnen.
Wir verstehen diesen Prozess, der gegen sieben Antifaschist*innen in Dresden geführt wird, als einen politischen Prozess, und so wollen und können wir die Tage, an denen Domhöver geladen ist, nicht als „normale“ Verhandlungstage betrachten, wollen es nicht passiv ertragen, wenn er seinen Verrat wiederholt.
Für uns ist Domhöver natürlich kein Zeuge wie jede*r andere – er hat zwei mal Verrat begangen. Das erste mal, als er sexualisierte Gewalt ausgeübt hat, das zweite mal, als er entschieden hat, mit den Repressionsbehörden zusammenzuarbeiten und alles auszupacken was er vermeintlich weiß, nicht weiß, oder sich über seine ehemaligen Freund*innen und Genoss*innen herbeifantasieren konnte.
Auch wenn wir der Meinung sind, dass der Fokus immer auf unseren Genoss*innen die auf der Anklagebank sitzen, liegen sollte, denken wir, dass der Umgang mit JD beim Prozess ein offensiver sein sollte, in welcher Form auch immer. Mehrere Anklagepunkte basieren fast ausschliesslich auf seinen Aussagen, er trägt die Veranwortung für das was er unseren Genoss*innen zugefügt hat und zufügen wird.Wie man die Tage hätte anders gestalten können bleibt auch für uns eine offene Frage. Wir finden aber, dass ein wahrnehmbarer Protest, bspw. vor oder im Gerichtssaal, nicht etwa dem Verräter und Vergewaltiger eine weitere Bühne geben würde – diese wird ihm sowieso von Staatsapparat & Medien gegeben werden – sondern ein Ausdruck dafür wäre, dass es keine Ruhe für Verrat geben kann.
Leider war es bisher nicht möglich, dazu eine gemeinsame Position im Rahmen des Antifa-Ost-Komplex zu finden.
Es ist uns bewusst, dass dies nicht nur ein Prozess gegen den von uns unterstützten Angeklagten ist, sondern hier viele unterschiedliche Perspektiven, Wünsche und (politische) Forderungen eine Rolle spielen.
Statt durch einen Alleingang andere vor vollendete Tatsachen zu stellen, haben wir uns deswegen entschieden, lieber an den Tagen, an denen der Verräter und Vergewaltiger geladen ist, dem Prozess fern zu bleiben – und mit diesem Text hoffentlich eine Debatte über den weiteren Umgang anzustossen.Unsere Solidarität geht an alle Antifaschist*innen die gerade im Knast oder/und auf der Anklagebank sitzen, und unser Dank geht wie immer an die anderen Solistrukturen, sowie an die den Prozess begleitenden Anwält:innen.
An dieser Stelle schicken wir auch dem Genossen, gegen den am 25. März wegen seiner Aussageverweigerung eine sechsmonatige Beugehaft verordnet wurde, viel Kraft und die besten Grüße.
Das Höchstmaß an Beugehaft aufzuerlegen, obwohl es gute rechtliche Gründe wegen einer Aussageverweigerung gibt, hat für uns den politischen Charakter dieses Prozesses nochmal verdeutlicht und zeigt, dass die Beweislage so miserabel ist, dass das Gericht zu solchen Mitteln greifen muss um eine Aussage zu erhalten.
Es dient auch als Erinnerung daran, dass der Staat wieder und wieder versuchen wird unsere Leute zu Verrätern zu machen, und mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen (Beugehaft, verschärfte Haftbedingungen, etc), zu brechen.
Dem werden wir nur mit politischer Haltung, Ernsthaftigkeit und Solidarität begegnen können.Bis alle frei sind
Soligruppe Nanuk
