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Ausblick: Prozesstage 26, 27 uns 28 (10. und 12.03.2026)

An allen drei Prozesstagen sind Neonazis und ein (vermeintlicher) Aussteiger geladen. Alle gelten als Geschädigte eines Angriffs von Antifas am Abend des 15. Dezembers 2020 am Bahnhof in Wurzen. Die Gruppe Neonazis kehrte vom sogenannten Trauermarsch in Dresden nach Wurzen zurück. Nach Verlassen des Zuges wurden sie laut verschiedenen Zeug*innen am Bahnsteig von einer größeren Personengruppe angegriffen.

Die Prozesstage werden um 09:30 Uhr beginnen. Ab ca. 08:45 Uhr beginnen die Einlasskontrollen am OLG. Infos dazu findet ihr hier: https://www.antifaostkomplex.org/how-to-einlass-zur-situation-vor-und-im-olg-dresden/

Beim Verfahren gegen Lina und drei Antifas saßen während der Vernehmung der Neonazis teilweise deren Kameraden im Zuschauer*innenraum. Beachtet daher, dass sich im und vorm Gerichtsgebäude Neonazis aufhalten könnten.

Prozesstag 26 (Di., 17.03.2026)
Als Zeugen sind Marcel A. der vermeintliche „Befürworter des Kaiserreichs“ Ben-Hannes Heller geladen. Bereits im Verfahren gegen Lina und drei weitere Antifas waren beide geladen. Marcel A. am 20. Prozesstag, Ben-Hannes Heller am 9. Prozesstag.

Ben-Hannes Heller erschien zu seiner damaligen Aussage mit Kleidung neonazistischer Marken: So einem „Thor Steinar“-Gürtel sowie einem Hemd der Firma „Eric & Sons“. Heller trat als Nebenkläger auf. Vertreten wurde er durch Neonazi-Szeneanwalt Martin Kohlmann. Nach Aussagen seines Kameraden Karl Jonas Kaden sei Heller für sein Trinkverhalten und Sachbeschädigungen bekannt. Heller gab vor Gericht u. a. an, zwischen August 2019 und Februar 2020 an Kampfsporttrainings teilgenommen zu haben.

Auf dem Blog „Periskop. Recherche- und Informationsportal Leipzig“ erschien im Juni 2024 der Artikel „Die Freien Sachsen bei den Kommunalwahlen in der Region Leipzig“. In diesem wird auch Ben-Hannes Heller mittels Text und Bild porträtiert:

Ben Hannes Heller
Ben Hannes Heller (geb. 04.01.2001) ist ein Nazi aus Wurzen (Landkreis Leipzig), der in der dortigen Eduard-Schulze-Straße 14 wohnt. Er kandidiert für die Freien Sachsen bei der Kreistagswahl des Landkreis Leipzig im Wahlkreis 9.  Er trat in den vergangenen Jahren vorwiegend als Kader der Jugendorganisation der NPD (jetzt: Die Heimat), den „Jungen Nationalisten“, in Erscheinung. Nicht nur als Besucher von diversen extrem rechten Demonstrationen fiel Heller in den vergangenen Jahren auf. Er betätigt sich auch selbst als Organisator. So führte er am 03.03.2024 gemeinsam mit dem Wurzener Nazi Lucas Zahner die Demonstration gegen eine Nie wieder ist jetzt-Kundgebung in der Stadt an. In einer Rede drohte er einem lokalen Kulturzentrum und schrie, man würde „Blut vergießen“ damit „Wurzen national bleibt“. Noch hemmungsloser trat Heller einige Jahre zuvor am Rande einer antifaschistischen Demonstration in der Stadt auf. Dort skandierte er 2019 derart lange und laut antisemitische und nationalsozialistische Parolen, dass die Polizei einschritt (Twitter-Video).

Eine politische Orientierung bot Heller der Eilenburger Nazi-Kader Paul Rzehaczek. Dieser kandidiert am 09.06. für die Freien Sachsen bei der Kreistagswahl Nordsachsen im Wahlkreis 4 sowie für den Stadtrat in Eilenburg. Nachdem Rzehaczek sein Amt im Bundesvorstand im April 2022 aufgab, bekleidet mit Heller nun ein anderer Nazi aus der Region ein Amt in dem im Niedergang begriffenen Jugendverband. Gegenwärtig amtiert er als stellvertretender Vorsitzender der JN Mitte, die die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin und Brandenburg umfasst.

Am 1. Mai 2022 war Teilnehmer eines Aufmarschs des „III. Weg“ in Zwickau. Mit ihm vor Ort u. a. Benjamin Schwelnus und Lucas Zahner. Am 19. Mai 2022 nahmen Heller und Zahner an einem rechten Aufmarsch gegen den IDAHIT*-Aktionstag in Wurzen teil. Weiteres zu Heller, Zahner und Co. in dem Artikel „Rechte Umtriebe in Leipzig und Umgebung: Ein Überblick im Juli 2022“. Im Oktober 2022 tauchten Heller und Zahner am Bahnhof in Wurzen auf, während parallel eine antifaschistische Kundgebung im Rahmen einer Kaffeefahrt stattfand.

Prozesstag 27 (Mi., 18.03.2026)
Als Zeugen sind die Neonazis Karl Jonas Kaden und Lucas „Lulu“ Wolfgang Zahner geladen. Bereits im Verfahren gegen Lina und drei weitere Antifas waren beide als Zeugen vor Gericht. Kaden am 19. Prozesstag, Zahner am 22. Prozesstag.

Karl Jonas Kaden trat damals auch als Nebenkläger auf und ließ sich von Carlo Collini vertreten, der sich zeitweise eine Kanzlei mit Martin Kohlmann geteilt hat. Karl Jonas Kaden ist Teil der so genannten „Sächsischen Separatisten“. Gegen ihn und sieben weitere Personen erhob die Bundesanwaltschaft Ende August 2025 wegen Mitgliedschaft in einer rechtsextremistischen terroristischen Vereinigung. Der Prozess läuft seit Mitte Januar 2026 vorm 5. Strafsenat am OLG Dresden.

Über Kaden gibt es im Artikel „Namen und Gesichter der sogenannten „Sächsischen Separatisten““ auf dem Blog „Periskop. Recherche- und Informationsportal Leipzig“ nähere Angaben:

Karl Kaden
Der aus Machern stammende Karl Kaden war laut eigener Aussage das erste Mal im Jahr 2020 bei einer Nazi-Demonstration. Er besuchte am 15. Februar 2020 den jährlich stattfindenen neonazistischen Trauermarsch zur Bombadierung Dresdens. Begleitet wurde Kaden von Wurzener Neonazis der „Jungen Nationalisten“, wie etwa Ben Hannes Heller, Benjamin Schwelnus und Lucas Zahner. Auf der Rückreise wurde die Gruppe bei ihrer Ankunft in Wurzen angegriffen. Im anschließenden Antifa-Ost-Prozess wurde Kaden als Zeuge gehört.

Zwei Jahre nach dem Naziaufmarsch in Dresden gehörte auch Karl Kaden zur Gruppe um Björn Höcke bei dessen Besuch in Grimma am 21.05.2022.

Weitere Infos u. a. auf der Seite vom Antifa Infoblatt sowie bei der SZ. Die Zeitung schreibt: „Karl Jonas K. wurde demnach nach SZ-Informationen 2022 schon dreieinhalb Monate nach Eintritt in die Bundeswehr wieder entlassen, weil er sich offenbar rechtsextrem geäußert und entsprechende Gegenstände an Kameraden verkauft hatte, darunter Abzeichen mit einer „Schwarzen Sonne“ – einem runenartigen Erkennungssymbol der rechtsextremen Szene – sowie solche mit Bezug zur NSDAP. „

Infos zu Lucas Wolfgang Zahner sind bereits weiter oben, bei der Infosammlung zu Ben-Hannes Heller, zu finden.

Zahner war Teil einer sechsköpfigen Gruppe, die am 18. April 2022 aus dem Umfeld der JN am Rande einer Versammlung der extrem rechten Gruppierung „Bewegung Leipzig“ mitlief. Teil der Gruppe war u. a. auch Benjamin Schwelnus. Zahner war auch an Angriffen und Beschädigungen am Kulturzentrum D5 in Wurzen beteiligt. Am 22. und 40. Prozesstag im Verfahren gegen Lina und drei weitere Antifas war das Thema. Zahner ließ sich zu seiner damaligen Vernehmung von einem Kameraden begleiten. Dieser saß während der Befragung im Zuschauer*innenraum.

Prozesstag 28 (Do., 19.03.2026)
Als Zeuge ist der Neonazi Benjamin Schwelnus geladen. Bereits im Verfahren gegen Lina und drei weitere Antifas war er am 24. Prozesstag als Zeuge vor Gericht. Zu seiner damaligen Vernehmung erschien er mit zwei Kameraden, die im Zuschauer*innenraum Platz nahmen.

Schwelnus wurde ebenso wie Heller und Zahner im Artikel „Rechte Umtriebe in Leipzig und Umgebung: Ein Überblick im Juli 2022“ verewigt. So ist ein Foto von ihm auffindbar.

Zum Schluss noch ein Verweis auf das Dossier „Geschäftstüchtig und gewaltbereit. Ein Überblick zur rechten Mischszene in Wurzen“ von chronik.LE.

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