Ausblick: Prozesstage 40 und 41 (27. und 28.04.26) – Ladung Prof. Labudde und Brian Engelmann
Am 27.04. und 28.04. soll Dirk Labudde, ein Professor an der Hochschule Mittweida, als „Sachverständiger“ gehört werden. Labudde will eine Methode entwickelt haben, wie er Beschuldigte in Strafverfahren mittels ihrer Körpermaße identifizien könne. Er vermisst und analysiert hierfür den Bewegungs- und Skelettapparat von Personen und könne diese dann auf Video-Aufnahmen, bspw. von Überwachungskameras, identifizieren. Entscheidend sei hier ein eindeutiges Gangbild. Das Verfahren ist gelinde gesagt äußerst umstritten und mehr als fragwürdig – sowohl bzgl. seiner angeblichen Aussagekraft als auch bzgl. der Anfertigung Labuddes „Vermessungen“: Die Beschuldigten müssen sich dieser Vermessung in Unterwäsche unter Zwang unterziehen. Im Falle der Antifaschistin Hanna geschah dies unter Vorspielung falscher Tatsachen und unter körperlichen Zwang, wie die Soligruppe erklärte.
Recherchiert man das Verfahren Labuddes auch nur oberflächlich, ploppen zahlreiche Veröffentlichungen auf, die seine „Analyse“ mehr als Hokuspokus denn als eine wissenschaftlichen Methode einordnen – oder um einen viel zitierten Ausspruch aus einem Strafverfahren in Berlin heranzuziehen: „Das Gutachten ist für die Tonne“
Neben Labudde ist am 28.04.26 auch der Neonazi und neurdings rechte Szene-Anwalt Brian Engelmann als Zeuge geladen. Dieser hatte bereits am 16.04.26 vor dem OLG ausgesagt. Hier war er jedoch zu solch später Zeit geladen, dass er für den 41. HVT erneut geladen ist.
Engelmann ist schon seit knapp 15 Jahren ein Begriff in der Mischszene aus Neonazis, Türstehern und Kampfsportlern in Leipzig. So kämpfte Engelmann immer wieder auf einschlägigen Kampfsportveranstaltungen der rechten Szene, zeigte sich oberkörperfrei mit Schwarzer Sonne- und Hakenkreuz-Tattos auf der Brust neben seinem Trainer Marko Zschörner. Zschörner selbst wiederum leitet das Kampfsport-Gym Bushido Sportcenter. Er machte vor einigen Jahren auf sich aufmerksam, als er auf einer rechten Querdenken-Demonstration in Leipzig gemeinsam mit anderen Neonazis antifaschistsiche Gegendemonstrant*innen angriff, er soll dabei einen messerähnlichen Gegenstand mit sich geführt haben. Auf der Website Zschörners Gym wird Engelmann als Trainer aufgeführt – soweit zum Kampfsport.
Als Türsteher versuchte sich Engelmann ebenfalls und arbeitete bis mindestens 2018 für das Unternehmen Black Rainbow Security – eine Firma, zu der es zig eigene antifaschistische Recherche-Veröffentlichungen gibt und das schon in den 00er-Jahren im sogenannte Disco-Krieg in Leipzig versuchte hatte, eine rechte Hegemonie im Türsteher-Milieu in Leipzig mit Gewalt durchzusetzen:
Heute wird Engelmann wohl kaum mehr auf diese Nebentätigkeit angewiesen zu sein: Seit November 2025 ist bekannt, dass der Neonazi inzwischen als zugelassener Rechtsanwalt in der Kanzlei des rechten Szene-Anwaltes Arndt Hohnstädter arbeitet. Die Anreise zum OLG Dresden in den Hammerweg dürfte ihm daher bereits bekannt sein – so verteidigt er derzeit das AfD-Mitglied Hans-Georg Pförtsch im Prozess gegen die Sächsischen Separatisten – im selben Saal, in dem der Prozess gegen unsere Genoss*innen stattfindet.
Auch sein Weg zum Rechtsanwalt führte über das Oberlandesgericht Dresden. So beschloss dieses, Engelmann trotz seiner Verurteilung wegen der Beteiligung am Angriff auf Connewitz am 11.01.2016 nicht vom juristischen Vorbereitungsdienst auszuschließen.
Sachsen hat sich nicht erst hiermit zum attraktiven Standort für angehende Neonazi-Anwälte etabliert. Es gibt mehrere Beispiele von einschlägig bekannten Neonazis, die für ihr Referendariat nach Sachsen kamen – teilweise nachdem sie in anderen Bundesländern abgelehnt wurden.
Wie an jedem Prozesstag rufen wir auch am 28. und 29.04. dazu auf, nach Dresden zu kommen und den Angeklagten solidarisch zur Seite zu stehen. Ein Lächeln, ein Winken, Applaus oder eine Parole sind auch durch die Panzerglasscheibe, die den Verhandlungssaal vom Zuschauer*innenbereich trennen, zu vernehmen und tun sicherlich gut. Beispiele
Bis alle frei sind, wir sind alle Antifa!
