2026.03.05 / 22.Prozesstag / Antifa-Ost-Komplex
Der Prozess startet um 9:40 Uhr. Unter der Zuschauer*innen befinden sich circa 12 solidarische Menschen. Von der Nebenklage sind die Anwält*innen Schneiders, Thomas und eine weitere weiblich gelesene Person anwesend.
Thema des Tages ist Eisenach II, 14.12.2026
Der Tag startet mit der Befragung eines früheren Polizisten, der an der Verfolgungsfahrt eines Autos am 14. Dezember 2019 teilgenommen hatte. Der Zeuge sagt aus, dass er die Fahrt zu keinem Zeitpunkt als gefährlich empfunden habe, selbst als der Polizeiwagen ein Ausweichmanöver vornehmen musste. In dem verfolgten Wagen saß eine unbestimmte Anzahl von Personen, mindestens fünf, sechs oder sieben Leute. Letztendlich wurden zwei Personen in Gewahrsam genommen. Die Lage nach der Festnahme war entspannt, Aussagen wurden nicht abgegeben.
Im Anschluss wird ein Anwohner befragt, der angibt aus einer Distanz von 15 bis 20 Meter Personen beobachtet zu haben, die sich an einem „PKW zu schaffen machten“. Damals befand er sich in seiner Wohnung im 4. Stock und hatte das Fenster geschlossen.
Nils Ackermann, der 27 Jahre alt ist, muss heute als Letzter vor Gericht aussagen.
Infolge eines gegen ihn anhängigen Verfahrens gemäß § 129 bezüglich Knockout 51, einer militanten Nazigruppe in Thüringen ist seine Aussagepflicht gemäß § 55 auf die Ereignisse am 14. Dezember 2019 in Eisenach beschränkt. Er braucht keine Aussagen über seine Aktivitäten bei Knockout 51 oder seine Mitfahrer zu machen. Am 14. Dezember 2019 sollen Nils Ackermann, Leon Ringel, Maximilian Andreas sowie eine vierte Person auf dem Nachhauseweg von der Kneip Bull’s Eye attackiert worden sein. Kurz nachdem sie Leon Ringel abgesetzt haben, soll dieser angegriffen worden sein, auf ihr Fahrzeug wird während der Fahrt mit einem Hammer eingeschlagen. Sie verlassen das Fahrzeug, um „ihrem Kollegen“ Leon Ringel Beistand zu leisten, kehren jedoch um, als sie bemerken, dass ihnen eine größere Anzahl von Personen entgegenkommt. Auf die Nachfrage, ob er den Hammer gesehen hätte, kann er nur sagen, dass es sich um eine Vermutung handele, ein Rückschluss aufgrund der Art des Lochs (vielleicht ist er ein Experte in Lochkunde). Nachdem die drei Personen in ihr Fahrzeug zurückgekehrt waren, sollen die Scheiben ihres Wagens eingeschlagen, Pfefferspray eingesetzt und körperliche Gewalt gegen sie angewendet worden sein. Nils Ackermann soll im Anschluss eine Wunde am Hinterkopf, Prellungen an den Armen und Beinen sowie Schmerzen am Finger gehabt haben. Nach eigenen Aussagen war er nicht lange beeinträchtigt.
Häufig antwortet er, „ weiß ich nicht mehr“. Zu seinem heutigen Kontakt zu den Mitgliedern von Knockout 51 und seinen damaligen Mitfahrern macht er keine Angaben.
Er habe Eisenach in Richtung Österreich verlassen, weil er jetzt bei einem Seilbahnbetrieb arbeite und einen Neuanfang anstrebe.
Er sagt nichts zu der Frage, ob sein Neuanfang eine politische Aufarbeitung seiner Nazi-Aktivitäten und Ideologie beinhaltet. Dies dürfte Antwort genug sein.
Der Prozesstag endete gegen 14:30.
Es kann sein, dass der Beginn des Prozesstags am 11.03.2026 nach hinten verschoben wird. Die Entscheidung darüber wird voraussichtlich erst einen Tag vorher getroffen.
