14.01.2026 / 12. Prozesstag / Antifa-Ost-Komplex
Auch am heutigen 12. Verhandlungstages waren für Vertretung der Nebenklage unter anderem die rechte Szene-Anwältin Nicole Schneiders und Mario Thomas anwesend. Im Publikum hatten sich ca. 10 solidarische Begleiter*innen eingefunden. Der Verhandlungstag begann kurz nach 9:30 Uhr mit einer Erklärung der Verteidigung zu den Zeugenvernehmungen des Cedric Scholz. Scholz war u.a. schon am gestrigen Tag geladen (hier mehr Infos zu der Person Cedric Scholz: https://www.soli-antifa-ost.org/der-nebenklaeger-cedric-scholz/). In dieser Erklärung wurde ausgeführt, wie unglaubwürdig der Zeuge Cedric Scholz erschien: Scholz habe mit zahlreichen Erinnerungslücken und Widersprüchen in seinen Aussagen geglänzt und das nicht nur auf den Angriff vom 30.10.2018 bezogen. An diesem Tag wurde Scholz vor seinem Wohnort körperlich angegriffen, dieser Angriff wird der vermeintlichen Vereinigung zugeschrieben, die am OLG Dresden derzeit verhandelt wird. Nicht nur die Glaubwürdigkeit Scholz wurde hinterfragt: Die Verteidigung erhob auch starke Zweifel an der Zuordnung des Angriffs auf die angebliche Vereinigung durch die Generalbundesanwalt. Cedric Scholz habe viele Feinde, er sei als Nazi bekannt gewesen und wäre häufig und offen als solcher aufgetreten. Er sei in den Jahren 2016-2024 öfter angegriffen worden. Auch andere Indizien, die auf die vermeintliche Vereinigung hindeuten würden seien mehr als fraglich. Nicht nur Cedric Scholz sei bekannter Neonazi, auch das Umfeld in dem er sich bewegt und der Fußballverein TSV Kühren, in dem Scholz spiele, sei teilweise rechts.
Nach dieser Erklärung war der Zeuge Jens Achtert, der Geschädigter im Tatkomplex „Dessau-Roßlau“ ist, geladen:
Am 19.01.2019 waren er und drei seiner damaligen Kameraden – Alexander Weinert, Steffen Kase und Rene Diedering angegriffen worden. Sie befanden sich auf dem Rückweg vom „Trauermarsch“ in Magdeburg, anlässlich des Bombardements der Stadt im zweiten Weltkrieg (mehr Infos unter: https://www.endstation-rechts.de/news/magdeburg-trauermarsch-comeback-gescheitert). Alexander Weinert beschrieb Achtert als „Anführer eines rechten Haufens“, denn „Bewegung“ könne man laut Achtert „dazu nicht sagen“. In Dessau angekommen, seien sie angegriffen worden. Achtert könne sich nicht mehr an den Angriff erinnern. Die Zeitspanne nach dem Ausstieg aus dem Zug bis zum Aufwachen im Krankenhaus bezeichnete er als „kompletten Filmriss“. Aus dem Krankenhaus habe er sich vorzeitig entlassen, weil er nach hause gewollt habe. Ein paar Wochen nach dem Angriff sei er wieder zur Arbeit gegangen, körperliche Folgen durch Verletzungen habe er nur kurzzeitig gehabt. Seit dem Angriff habe er sich allerdings „zurückgezogen“ und zu seinen damaligen Kameraden keinen Kontakt mehr. Auch die politische Richtung wäre früher vielleicht die Selbe gewesen, jetzt sei sie das nicht mehr.
Nachdem Achtert den Raum verlassen hatte, wird die Zeugenaussage des Steffen Kase verlesen. Dieser war nicht selbst anwesend, da dem Senat am 07.01.2026 – also rund eine Woche vorher – aufgefallen war, dass Kase „kürzlich“ verstorben sei. Kürzlich meint hier mehr als ein Jahr: Kase wurde im Oktober 2024 anscheinend von seiner Verlobten überfahren. Verlesen wurden die Vernehmungen der Polizei vom 19.01.2019 und 24.01.2019. Auch er wurde am 19.01.2019 in der Unterführung auf dem Rückweg des „Trauermarsches“ in Magdeburg angegriffen. Bei diesem habe er als Ordner fungiert. Er könne sich an den Angriff erinnern: Drei Personen von vorne und eine Person von hinten, hätten ihn angegriffen. Sie hätten Handschuhe und Schlagwerkzeuge getragen. Wirklich näher beschreiben oder wieder erkennen könne er aber keinen der Täter.
Weitere Themen hatte der Senat für den 12. Verhandlungstag nicht vorgesehen. Besprochen wurde noch, dass statt Leon Ringel zwei andere Zeug*innen geladen werden sollen für den 22.01.2026. Außerdem wird im September vom 3.-4. und 17.-25.09 kein Prozess stattfinden, da der Senat im Urlaub ist.
